reduzieren im Nähzimmer – #littlebeekauftnix

Schon komisch, als ich im Januar meine persönliche Challange – 1 Jahr ohne Kleiderkauf – begonnen habe, war mir nicht klar, wie weit diese Challange auch mein restliches Leben beeinflussen würde. Ende des Jahres werde ich einen Rückblick schreiben, wie es nun tatsächlich war, dieses Jahr 2016, und ob es mir gelungen ist, nichts zu kaufen. Aber heute möchte ich auf einen anderen, sehr wichtigen Teil meines Lebens eingehen, den dieses Jahr sehr beeinflusst hat. Mein Nähzimmer.

Ich bin, vermutlich wie die meisten Nähtanten, Stoffsüchtig gewesen. Ja ganz ehrlich. Ich muss das so schreiben. Ich habe hatte massenhaft Stoffe. In allen Qualitäten und Mustern. Dazu ein Konvolut an Bändern, Borten, Reissverschlüssen, Karabinern und anderem Taschenzubehör. Natürlich massig Kunstleder und Futterstoffe, Henkel, Schlüsselringe, Garne und nicht zu vergessen, Schnittmustern. Ich habe hatte alles, was das Herz begehrte und noch viel mehr.
Ich habe mich in Stoffe, Farben, Muster verliebt und sie gekauft. Planlos. (Fast) Immer.
Ich hatte alles fein säuberlich geordnet und trotzdem längst keinen Überblick mehr.

#littlebeekauftnix

Wenn man sich selbst ein einjähriges Kaufverbot auferlegt, dann beginnt man zu hinterfragen. Man betritt kaum noch Läden, das ist so. Man darf ja sowieso nichts kaufen, also hat man auch kein Bedürfnis mehr zu schauen, was es so gibt. Man holt sich keinen Gusto mehr.
Deswegen habe ich in erster Linie meine Stoffvorräte durchforstet wenn mir nach einem neuen Kleidungsstück war, und festgestellt, ich habe viele Stoffe, die ich niemals für mich verarbeiten werde. Ich liebe alle Muster und Farben, aber ich würde die meisten davon nicht tragen.
Wozu habe ich sie gekauft?
Dieser Gedanke setzte eine Maschinerie in Gang, das hätte ich SO selbst nicht erwartet.
Ich habe begonnen, meine Stoffstapel zu sortieren in Stoffe die bleiben weil ich daraus etwas für mich oder meine Kinder nähen werde. Und einen Stapel mit Stoffen, aus denen ich niemals ein Kleidungsstück tragen werde. Und einem ganzen Stapel nur mit Resten, die ich für „alle Fälle“ aufgehoben hatte. Und habe gut 2/3 aller meiner Stoff verkauft. Sogar heiss geliebte Streichelstöffchen habe ich weg gegeben. Beim ersten Stoff tats noch weh, mit jedem weiteren Meter ging es leichter.

Ich hätte nie gedacht, wie befreiend es sein kann loszulassen.

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Ich näh Bio

Ausserdem habe ich begonnen viel mehr auf die Qualität der Stoffe zu achten und nähe jetzt zu 90% nur noch in Bio Qualität. Es hilft meiner Meinung nach nichts, den großen Kleidungsketten aufgrund von minderer Qualität und Ausbeutung der Näherinnen den Rücken zu kehren, und zu Hause Shirts aus den letzten Ramsch Stoffen zu nähen. Denn ich halte es mit dem Nähen wie mit dem Einkaufen. Ich überlege ob ich ein Kleidungsstück brauche oder eben nicht.
Ich nähe mittlerweile nicht mehr ausschliesslich aus Spass sondern weil ich es kann und möchte und so nicht einkaufen muss. Das bedeutet, anstatt 50 Shirts in minderer Qualität besitze ich eben nichtmal die Hälfte davon aber dafür in guter Qualität, so gleicht sich auch der höhere Stoffpreis aus, den ich durchaus bereit bin zu zahlen. Und das finde ich gut so.

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Natürlich möchte ich  auch in diesem Beitrag etwas Genähtes zeigen. Denn ohne das genähte Teilchen wäre dieser Beitrag gar nicht entstanden. Ich habe nämlich in einer Kiste ein Streichelstöffchen gefunden, das ich, natürlich völlig planlos, schon vor einem Jahr gekauft haben ohne einen Gedanken was daraus werden soll. Ein wirklich feiner und überaus weicher Bio Jersey, der jetzt zu einem Schlafanzug für den Jüngsten würde. Angaben zum Schnitt gibts weiter unten. Grau – senfgelb ist immer noch eine meiner liebsten Kombis. Und schnell genäht ist so ein Schlafanzug allemal. Es fühlt sich im übrigen wirklich toll an, soviel Ballast los geworden zu sein, Und mein Nähverhalten ist nun so, das ich nicht alles haben muss nur weil es der Markt vorgibt. Ich spüre nicht mehr den Drang auf jeden Zug mit aufspringen zu müssen und jeden neuen Schnitt sofort zu kaufen, geschweige denn danach nähen zu müssen.
Ebenso bei neuen Stoffdesigns. Jetzt ist es tatsächlich so, das ich nur noch nach Bedarf  nähe und wirklich projektbezogen Stoffe und Zubehör kaufe. Auch wenn es Anfangs schwer gefallen ist, so ist es jetzt doch zu einer sehr runden Sache für mich geworden.

XOXO
MIchaela

Schnitt: Schlafanzug Emil(y) von heidimade
Stoff: Grinsestern
verlinkt: Ich näh Bio, Creadienstag, Create in Austria

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14 Kommentare

  1. Ein zauberhafter Schlafi, ein bedenkenswerter Beitrag….. ich bin sehr gespannt auf deinen Jahresrückblick. Denn ein bißchen so sollte es schon sein, alles mit etwas mehr Bedacht. Da muss ich allerdings noch an mir arbeiten. Stoffhamstern ……
    Lieber Gruß Jenny

  2. Liebe Michaela,

    ein toller Schlafi in einer von mir ebenfalls geliebten Farbkombination.

    Was Du schreibst, finde ich super! Ich selbst nähe nur höchst selten, aber eine Zeit lang habe ich reichlich Stoff gekauft, weil das so schön ist. Allerdings bin ich nie über eine Kiste hinaus gegangen, weshalb ich es als nicht so schlimm empfinde. Aber ich kaufe jetzt auch erstmal nix mehr dazu.
    Für meine Kleidung achte ich darauf, wenn möglich Fairtrade und Bio zu kaufen, am besten in Europa produziert. Häufig muss man kleine Abstriche machen, aber ich habe es ein Jahr lang komplett durchgezogen. Das führte dazu, dass ich mir außer 5 Shirts gar nichts gekauft habe – ich brauchte es wohl auch nicht.

    Dir alles Gute und mach weiter so!

  3. Hallo Michaela,
    ich weiss genau, wovon du sprichst, nur hatte ich das Glück noch in meinem ersten Jahr drauf zu kommen :-). Ich hatte also noch nicht so viele Stoffleichen im Schrank und kaufe auch seit ein paar Wochen nur noch Biostoffe und auch nur konkret auf Bedarf. Ich finde auch, dass sich das echt toll anfühlt :-). Deshalb habe ich auch zu dem Thema eine Linkparty gestartet und würde mich sehr freuen, wenn du deine Bio-Posts dort zeigen möchtest: http://selbermachen-macht-gluecklich.de/category/bio-stoff-linkparty/ Ich freu mich total, dass immer mehr so denken. Glg, Birgit

    • Liebe Birgit, danke für deinen lieben Kommentar, das tut richtig gut zu lesen;
      Deine Linkparty schaue ich mir gleich an und bin gerne mit dabei
      Liebste Grüße
      Michaela

  4. Danke für den tollen Artikel. Ich hab auch begonnen genau zu überlegen was ich draus nähe bevor ich einen Stoff kaufe nachdem ich mir Kleidung genäht hab, die eigentlich gar nicht ich bin, mir aber stoff und schnitt so gefallen haben.

    Alles Liebe, Areta

  5. Beatrix Tutschek

    Was für ein toller Artikel – Danke dir! Ich bin auch seit einiger Zeit am Umdenken. Begonnen hat es damit, dass ich für mein kreatives Chaos mein nähzimmer neu gestaltet habe und davor aber kräftig ausmustern musste. Ich habe soooo vieles wieder entdeckt und festgestellt, dass ich es nicht brauche. So nach und nach verabschiede ich mich von allem was ich nicht brauche. Und bei jedem Stück, das ich mir kaufen möchte überlege ich lange, ob ich das wirklich brauche. und Plastik kommt mir neu schon lange nicht mehr ins Haus….

    • Danke für deinen lieben Kommentar, liebe Beatrix. Es tut gut zu lesen, das es auch anderen geht wie mir:
      Alles Liebe weiterhin
      Michaela

  6. Dein Beitrag hört sich sehr zufrieden an, wie schön! Gratuliere, dass Du Deine Stoff-Kauf-Sucht erfolgreich bezwungen hast – das ist bei keiner Sucht einfach und verlangt nach tosendem Applaus!!! Bravo! lg, Gabi

  7. Pingback: gut verpackt in Klein Smilla -

  8. Pingback: (m)ein Jahr ohne Kleiderkauf 2016 - ein Fazit -

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