Verein Haarfee und meine Haarspende – #einmalhaarfeesein

verein haarfee

Meine Haare waren lang. Sehr lang. Und ich habe trotzdem keine Minute gezweifelt, als ich mich von ihnen getrennt habe. Denn ich habe sie nur aus einem Grund wachsen lassen. Warum ich meine Haare gespendet habe, obs weh getan hat und ein wunderbares, für mich sehr bewegendes Interview mit Yochai Mevorach, dem Gründer des Verein Haarfee, lest ihr jetzt.

einmal Haarfee sein

Das dachte sich meine Schwester im Sommer 2015 als sie ihre wunderschönen, langen, blonden Haare abschneiden lies um sie dem Verein Haarfee zu spenden. Ich hatte davor noch nie davon gehört, dass man seine Haare spenden kann. Es fühlte sich toll an, sagte sie. Sie weiss, es war die richtige Entscheidung, zum Wohl einer Kinderperücke das eigene Haar herzuschenken.

WOW dachte ich mir damals.
Was für eine starke Geste.
Was für eine wunderbare Frau meine kleine Schwester ist.
Mit so viel Herz.
Damals ahnte ich noch nicht, dass ich es ihr einmal gleichtun würde.

Schnipp Schnapp Haare ab

Ich lies meine Haare also wachsen und wachsen. Vor 1 Woche war es dann bei mir so weit. 40 cm Haare, zu zwei Zöpfen gebunden, wurden abgeschnitten. Es war ein sehr emotionaler Moment. Nicht für mich. Ich war mir meiner Sache sicher.
Ok, ich war doch ein klein wenig aufgeregt. Aber von meinen Haaren hatte ich mich innerlich schon verabschiedet, stand der Plan doch schon so lange fest. Die Frisörin allerdings war aufgeregt. Es sei ihr erstes Mal, erzählte sie mir.
Sie habe noch nie so viel Haar auf einmal abschneiden dürfen. Sie zitterte.
Atmete ein paar Mal tief durch. Machte ein paar Fotos, um den Moment festzuhalten.

Es war schön.
Ich fühlte mich leicht.
Ich war glücklich.
Es fühlte sich so richtig an.
Und gut.

verein haarfee

Ich hätte meine Haare mit der Post an den Verein Haarfee schicken können, aber mir kam der Gedanke einer persönlichen Übergabe. Also schrieb ich Yochai, den Vereinsgründer, an.
Ich wollte ihn kennen lernen. Und so lud er mich zu einem Gespräch ein.
Das freute mich wirklich.

Verein Haarfee

Der Verein Haarfee hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern, die ihre Haare durch dramatische Schicksalsschläge verloren haben, mit einer Perücke zu helfen. Echthaarperücken sind sehr teuer, ihre Kosten belaufen sich je nach Haarlänge auf ca. 3.000 €. Von den Krankenkassen wird nur ein geringer Teil der Kosten mitfinanziert. Den überwiegend größten Teil in der Anschaffung müssen die Patienten, oder im Fall von Kindern – die Eltern, selbst tragen. Nachdem es aber schon schwierig genug ist, die Krankheit des eigenen Kindes zu verkraften und zu begleiten, hilft der Verein in dieser finanziellen Notlage und spendet eine Perücke an ein bedürftiges Kind. Oft sind Haare ein großer Herzenswunsch der kranken Kinder.

Gestern traf ich Yochai Mevorach persönlich zu einem für mich sehr bewegenden Gespräch und zur Übergabe meines Zopfs. Ein wahnsinnig charismatischer Mann, der aus voller Überzeugung und mit ganzem Herzen für seinen Verein arbeitet. In seinem Salon „Folgeeins“ im 7. Wiener Gemeindebezirk, laufen alle Fäden des Vereins Haarfee zusammen.

Verein Haarfee ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die Kindern hilft, die ihr eigenes Haar durch dramatische Schicksalsschläge verloren haben.

Yochai Mevorach – das Gesicht hinter der Haarfee

Lieber Yochai. Ich habe über den Verein schon einiges gelesen. Der Verein leistet großartiges und hat schon so vielen Kindern helfen können.
Was mich wirklich interessiert, weil ich absolut keine Vorstellung habe – wie lange dauert es, bis so eine Perücke fertig ist und wie viel Echthaar ist darin verarbeitet?
Bislang konnten wir 92 Echthaarperücken herstellen lassen. Einige weitere sind bereits in Auftrag. Für eine solche Perücke werden ca. 4-5 Zöpfe benötigt. Eine ganz schöne Menge. Wir sammeln die Haare und ordnen sie nach Farbtönen und kombinieren ähnliche Haarfarben und -strukturen. Anschliessend arbeitet ein Perückenmacher ca. 3-6 Monate an einer Perücke. Jede Einzelne entsteht in Handarbeit. Die Haare werden von Hand eingeknüpft. Der Aufwand ist sehr groß, aber für jede einzelne Perücke lohnt sich die Arbeit.

Und wie erfolgt die Übergabe? Bist du bei jeder persönlich dabei?
Nein, leider nicht. Alle Kinder, die in der Nähe sind, besuche ich persönlich und übergebe die Perücke. In den anderen Bundesländern habe ich Partner, die das für mich übernehmen. In Wien ist es meistens das St. Anna Kinderspital das ich dann besuche. Ich bringe die Perücke dem Kind persönlich vorbei, so sehe ich auch, ob eventuelle Anpassungen notwenig sind. Und der Moment der Übergabe ist immer wieder ein Besonderer.

Ich nehme an, jede einzelne Übergabe ist sehr emotional. Nicht nur für die Kinder, auch für dich. Hast du einen, wenn nicht vielleicht sogar DEN emotionalsten Moment, von dem du mir erzählen willst?
Das ist schwierig. Alle Übergaben sind emotional. Jede Geschichte, jedes Kind ist besonders. Für mich war es anfangs schwer zu fassen. Erst mit der Zeit habe ich gelernt, nicht alle Geschichten zu sehr an mich heran zu lassen. Aber ich bin immer tief berührt. Von den Kindern. Ihrer Stärke. Oder wenn ich sehe, wie sich Mütter von kranken Kindern gegenseitig Mut zusprechen. Mir gehen diese Momente sehr nahe und ich musste erst lernen damit umzugehen.

Ich verstehe was du meinst. Man lässt sich tief im Herzen berühren von den Geschichten der Kinder.
Ja, aber auch die Freude, das man helfen konnte ist sehr groß.

Ich kann mir vorstellen, das es auch Tränen gibt bei den Kindern.
Ja, das ist ganz oft so. Ich muss mich selbst oft sehr zusammen nehmen um nicht zu weinen weil diese Momente doch sehr berührend sind.

Kannst du mir eine Geschichte erzählen, die dich emotional sehr bewegt hat? Nur wenn du möchtest.
Eine sehr emotionale Geschichte ist erst Ende letzten Jahres passiert. Ich wurde kontaktiert, weil ein 4 jähriges Mädchen, für das es medizinisch keine Hilfe mehr gab, nur noch einen Herzenswunsch hatte – es wollte noch einmal Haare haben. Diese Geschichte hat mich sehr berührt. Ich hatte keine passende Perücke vorrätig also musste eine angefertigt werden. Es war aber klar, soviel Zeit hat das Kind wahrscheinlich nicht mehr.  Ich habe bei unserem Perückenmacher wirklich Druck gemacht, damit diese Perücke so schnell wie möglich fertig wird, weil die Zeit sehr gedrängt hat. Ich wollte diesen letzten Herzenswunsch unbedingt erfüllen. Wir konnten sie noch kurz vor Jahresende an das kleine Mädchen verschicken und sie kam noch rechtzeitig an. Das hat mich wirklich sehr bewegt.

Was für eine schreckliche, traurige und zugleich schöne Geschichte.
Was ist dein Wunsch für die Zukunft? Der Wunsch für Haarfee?
Mein Wunsch ist es, noch mehr Perücken produzieren zu können. Noch mehr Kindern helfen zu können, nicht nur in Österreich, auch im Ausland. Und gerne würde ich auch Erwachsenen helfen, denn auch hier gibt es großen Bedarf.
Wichtig ist mir, das Bewusstsein zu schaffen für die Hilfe, die wir benötigen. Wir haben eine Zeit lang so viele Zöpfe bekommen, das wir einen Annahmestop ausrufen mussten mit der Bitte, stattdessen Geld zu spenden. Ich glaube erst da wurde den Menschen bewusst, das es das Haar alleine nicht ausmacht, um eine Perücke zu produzieren. Wichtig sind uns auch Geldspenden um die gute Sache weiter finanzieren zu können. Aber wir sind auf einem sehr gutem Weg.

verein haarfee

Lieber Yochai, ich danke dir für dieses Gespräch, und das du dir für mich Zeit genommen hast. Und auch für die persönlichen Geschichten, die du mir abseits dieses Interviews erzählt hast, die mich emotional sehr gepackt haben und über die ich beim Schreiben dieses Textes noch immer tief berührt war. Ich wünsche dir von Herzen, dass du noch viele Kinder, in ihren schwersten Zeiten, glücklich machen kannst.

Falls du nun selbst überlegst, deine Haare zu spenden, alle Fakten zur Haarspende in aller Kürze. Dein Haar sollte eine Mindestlänge von 25 cm haben, nachdem viele Kinder gerne längeres Haar hätten, sind längere Zöpfe sehr sehr gerne gesehen. Außerdem sollte dein Haar nicht gefärbt sein oder eine kaputte Struktur aufweisen. Du kannst deine Haare in einen Sack verpackt mit der Post an den Verein schicken oder sie bei  einem Partner-Salon kostenlos oder zu einem günstigeren Preis direkt schneiden lassen. Bis Ende April werden wieder Zöpfe angenommen. Aber auch über Geldspenden freut sich der Verein Haarfee sehr. Alle Infos über Partnersalons etc findest du auf der Vereinsseite.

XOXO
Michaela

Dieser Beitrag ist aus voller Überzeugung entstanden weil mir das Thema Haarspende und der Verein Haarfee sehr am Herzen liegt.
Ich freue mich wenn du meine Geschichte teilst, damit ganz viele Menschen vom Verein Haarfee und dem guten Zweck dahinter erfahren.

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13 Kommentare

  1. Schwesterherz

    So schön und so berührend! 😍😢

    Eins weiß ich…wenn meine haare wieder lang genug sind werde ich nochmal spenden.

    Mir wurde erzählt, dass blond sehr gefragt ist. 😉

  2. Liebe Michaela, ein sehr toller Artikel der sehr nahe geht, leider habe ich kurze Haare, sonst wäre für mich sofort klar gewesen auch Haare zu spenden. Ich werde den Artikel natürlich sehr sehr gerne teilen und hoffe, dass noch sehr viele Kinder glücklich gemacht werden können!
    Liebe Grüße aus dem Hausnummersechs
    Vera

  3. Ohh wie toll! Meine Haare habe ich auch schon einmal hingeschickt. Toll das du das gemacht hast und den Verein Haarfee unterstützt ❤. Glg aus Wien lily von monstamoons

  4. Toll.. ich habe schon einmal davon gelesen… gut, dass du es mir nochmals in Erinnerung gerufen hast… meine Haar wachsen leider nur mehr sehr langsam.. aber ich kann ja auch anders helfen.
    Deine neue Frisur steht dir auch gut und ich bin erstaunt WIE lang deine Haare waren, denn sie sind ja jetzt auch nicht wirklich kurz.
    GLG Birgit

  5. Pingback: Top of the Week KW 10 – D-Day mal anders

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