Puppen sind nur für Mädchen

nur für mädchen

„Wieso habt ihr eine Puppe? Du hast doch nur Buben!“ sagte doch tatsächlich von einiger Zeit das kleine Mädchen von Freunden ganz ungläubig zu mir und fügte noch hinzu „Also mein Bruder durfte nicht mit Puppen spielen. Puppen sind nur für Mädchen, sagt mein Papa!“ Mein Mund blieb eine Zeit lang offen stehen nach diesen Worten und ich überlegte, was ich diesem kleinen Mädchen wohl mit auf den Weg geben sollte.

Nur für Mädchen? Mit diesem Satz muss ich schwer kämpfen. Wir schreiben das Jahr 2017, ich bin Mama von 3 Burschen und die einzige Frau in einem Männerhaushalt. Das alleine ist schon manchmal recht schwierig, Bubenmamas wissen wovon ich spreche. Allein unter Männern. Und trotz diesem Testosteron Überschuss in unserem Haus, habe ich meinen Buben immer erlaubt, alles sein zu dürfen, was sie wollen und nichts zu müssen, was sie nicht wollen.

„Das darfst du nicht, du bist ein Bub!“

Sie durften lackierte Fingernägel haben, als sie klein waren und es probieren wollten. Alle 3 hatten eine Puppe und einen Puppenwagen, ja sogar eine Puppentrage. Sie hatten eine Kinderküche, Stofftiere, ja sogar lila Pullover, und niemals wäre ich auch nur auf die Idee gekommen zu sagen „das darfst du nicht, du bist ein Bub“ oder „das ist nur für Mädchen“. Oder am Ende gar zu denken, es wäre nicht richtig, sie so sein zu lassen wie sie es gerne wollten.

Und dann steht da plötzlich dieses kleine Mädchen in meiner Küche, mit meiner (ja, tatsächlich meiner 1. Puppe) auf dem Arm und fragt mich, wozu wir die haben. Autsch, denn im 1. Moment dachte ich, was haben wir eigentlich für Männer im Freundeskreis, die meinen, Buben werden schwul wenn sie mit Puppen spielen und Spielsachen als „nur für Mädchen“ bezeichnen und mit einem Spielverbot fürs eigene Kind belegen.

Woher kommt das?
Und warum hat sich 2017 Immer noch nichts daran geändert?
An dieser Denkweise.
Ehrlich gesagt kann ich es nicht recht verstehen.

Puppen sind nur für Mädchen

Ich möchte meine Kinder in ihrem Tun einfach nur stärken. Sie nicht in eine Richtung lenken sondern sie die Welt entdecken lassen. Daran teilhaben wie sie sich entwickeln. Sie mit Puppen spielen lassen, weil sie es wollen, von sich aus. Um sie in ihrem emphatischen Handeln zu bestärken und ihnen zu zeigen, kochen, putzen, waschen, das dürfen alle. Wenn du es gerne tun möchtest, dann mach.
Auch das kümmern um die (Puppen)Kinder ist nicht den Mädchen und Frauen vorbehalten.
Genauso wie sie sich später (hoffentlich) auf um ihre eigenen Kinder kümmern werden und es nicht ihren Frauen überlassen. Und vielleicht geht es auch irgendwann in alle Köpfe hinein, dass Buben nicht schwul werden wenn sie rosa Pullover tragen oder einen Puppenwagen schieben.

Wollt ihr wissen, wie die Geschichte mit dem kleinen Mädchen ausgegangen ist?
Ich habe ihm gesagt, auch Puppen brauchen Papas nicht nur kleine Mädchen.
Und das es doch nichts Schöneres gibt, als sich um sein Puppenkind zu kümmern, wenn es einen braucht.
Egal ob man ein Bub ist oder ein Mädchen.

XOXO
Michaela

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9 Kommentare

  1. Ach, wie oft mein Mini das in seiner kurzen Kindergartenkarriere schon gehört hat… traurig!

    Unser Mini spielt gern mit lieblichem Spielzeug- Puppen, Feen Schleichtiere, Playmobilprinzessinnen. Sein erster und liebster Film ist die Eiskönigin, er singt “Lass es los“ wie ein Großer. Ja, er trägt mit seinen knapp 4 Jahren auch mal sein Elsakleid. Und er trägt mit stolz seine Elsahaube.

    Und gerade wegen dieser Haube wird er ständig von kleinen Mädchen (!!) ausgelacht, das sei nur was für Mädchen. Er ist (noch?) so selbstbewusst zu sagen:“..du kennst di net aus, Buben kinnan des a megn…“

    Ich bin stolz auf den kleinen Mann und hoffe, er bekommt dieses Denken nichr aberzogen (von uns Eltern mal bestimmt nicht!)

    Alles Liebe, Tanja

    • Ach Tanja 🙁 Ich kenne das auch von meinem Ältesten, so traurig, wie grauslich die Kleinsten zueinander schon sein können, das macht mich traurig. Ich finds so schön das dein Mini sich da nichts dreinreden lässt und so ein Selbstbewusstsein hat. Toll das ihr ihn als Eltern stärkt; :-*

  2. Danke für diesen Artikel!

    Dazu fällt mir folgende Geschichte ein: meine Mutter strickt gerne und viel und wollte meinen Lieblingskindern Socken stricken. Der Lieblingssohn hat sich gelb-rosa-schwarz geringelte Socken gewünscht. In der Woche drauf kam meine Mutter stolz mit einfärbig gelben Socken an. Mein Lieblingssohn war enttäuscht und hatte Tränen in den Augen, er hatte sich so auf seine gelb-rosa-schwarz geringelten Socken gefreut. „Schwarz ist keine Farbe für Kinder und rosa kann ein Bub nicht anziehen.“ Voilà die Worte meiner Mutter.

    Sie hat es zwar nicht verstanden, aber nochmals Socken gestrickt. Meine Aussage, dass mein Sohn klar gesagt hat, was er sich wünscht, und dass man sich daran auch halten sollte (nur weil er 3 ist, ist er ja nicht blöd), widerspricht gänzlich dem Erziehungsverständnis meiner Mutter, aber sie hat sich gefügt. Und in der Woche drauf gabs dann die gelb-rosa-schwarz geringelten Socken und strahlende Kinderaugen.

  3. Hey Michaela,

    wow danke für diesen Artikel. Sehr traurig, dass es auch heute noch Eltern gibt, die dieser Meinung sind…. Hier bei uns im Hausnummersechs waren Puppen, das Puppenhaus, das Puppenwagerl bis vor ca einem Jahr uninteressant… Madame hat lieber mit Puzzle gespielt, gemalen, gelesen und geturnt. Die Puppen, das Wagerl und auch das Puppenhaus waren Dekoartikel, die immer im Weg waren…. bis dann vor gut einem halben Jahr der kleine Bruder (mit nicht mal einem Jahr) anfing sich für die ganzen schönen Dinge die da im Weg herum standen zu interessieren… ja und nun wird das Puppenhaus, die Puppenküche ordentlich bespielt. die Puppen werden gewickelt und durch die Gegend getragen und natürlich auch beim Spazieren gehen, dürfen die Puppenkinder nicht fehlen. Der kleine Mann verlässt das Haus zur Zeit nicht ohne seine Puppe, die muss überall hin mit… egal ob bei Sonnenschein oder Regen, er schiebt das Kinderwagerl durch die Nachbarschaft und es ist für ihn das normalste auf der Welt auf seine Puppe aufzupassen. Er ist ein super Puppenpapa 😉 und wie du schon schreibst, auch Puppen brauchen Papas 😉
    hab einen schönen Abend und ich freue mich schon auf weitere so tolle Beiträge

    glg Vera

  4. Hallo, ich bin etwas entsetzt über die Reaktion des Mädchens.
    Mein Vater Jahrgang 1954 hat auch damals schon eine Puppe besessen. Und meine Großeltern waren eigentlich eher konservativ. Ich selber habe mit Eisenbahn und Lego Technik gespielt. Das wurde nie hinterfragt und war normal.
    Ich habe das Gefühl, es gibt da einen Rückschritt. Als unsere Tochter eine Carrera Bahn bekam, wurde ungläubig gestaunt. Und unser Sohn hat eine Puppe, für die er sich rechtfertigen muss. Es scheint sehr wichtig zu sein, dass Mädchen auch Mädchenspielzeug haben und umgekehrt.
    Mir fällt auch auf, dass KinderKleidung in meiner Kindheit unisex war. Heute gibt es da eine klare Trennung.
    Schön, dass du mit dem Artikel das Thema aufgreift.

  5. Ich habe letztens auch sowas bei einer Freundin erlebt. Da hat die eine die andere gefragt, wieso ihr Sohn einen Staubsauger und ein Bügeleisen hat? Ich bin fast vom Stuhl gefallen.

  6. Pingback: Weltmädchentag - Gleichberechtigung geht uns alle an - LITTLEBEE

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